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SIRMIONE

Die Perle der Halbinseln, wie sie von Catull genannt wurde, erstreckt sich im unteren Gardabecken auf Brescianer Territorium. Die Halbinsel ist sehr schmal und 4 km lang, an ihrer schmalsten Stelle ist sie gerade 120 m breit. Es handelt sich mit Sicherheit um eine der typischsten landschaftlichen Eigenheiten zwischen Desenzano und Peschiera, und sie trennt die beiden Buchten.

Der Ort war schon in römischer Zeit als Sermio Mansio bekannt und wurde bevorzugter Aufenthaltsort der reichsten Schichten der römischen Gesellschaft, die von der Schönheit des Ortes und dem ungewöhnlich milden Klima am See angezogen wurden.
Noch heute werden die zahlreichen Zeugnisse aus der Römerzeit von vielen Touristen besichtigt. Aufgrund seiner besonderen Lage hatte der Ort eine vor allem strategische Bedeutung auch unter Byzantinern und Langobarden.

Sirmione wurde freie Stadt und dann bald von den Scaligern unterworfen, die die Stadt befestigten und die zinnenbekrönte Burg errichteten - das bei den Touristen bekannteste Bild von Sirmione.

In den ersten Jahren des 15. Jhs. kam die kleine befestigte Stadt zu den Gebieten, die von der mächtigen Republik Venedig regiert wurden.
Heute ist Sirmione eine lebhafte Touristenstadt, beliebter Luftkur- und Urlaubsort für den Sommer. Die Stadt kann auf eine lange Tradition im Thermalbereich zurückblicken, die auf alte Zeit zurückgeht - es scheint, dass die sogenannten Grotten Catulls nichts anderes sind als die Überreste einer römischen Thermenanlage - und die das Wasser der Boiola-Quelle nutzt. Das ist eine Quelle auf dem Grund des Sees, die wenige hundert Meter östlich der Halbinsel entspringt.
Das Wasser wird in die Thermenanlage und ins Heilzentrum für Taube geleitet. Die Heilanwendungen umfassen Rheumaleiden, Arthrose, Erkrankungen der Atemwege und der weiblichen Geschlechtsorgane sowie Hautkrankheiten. Sirmione ist eine Stadt, in der das Leben noch auf den Menschen zugeschnitten ist, was durch die typischen engen Gassen erleichtert wird, die nur Fußgängern zu Verfügung stehen und von einer vielseitigen Masse von Touristen und Besuchern bevölkert wird. Die kleine Stadt hat es geschafft, den Stil der älteren Bebauung und den der modernen Erweiterungen in Einklang zu bringen. Alles wird noch schöner durch den malerischen Hafen, in dessen Wasser sich die Burg spiegelt, und durch eine grüne Vegetation, die einen der charakteristischsten Aspekte darstellt.



DIE BURG DER SCALIGER

Die Burg der Scaliger ist die wichtigste touristische Sehenswürdigkeit von Sirmione. In der zweiten Hälfte des 13. Jhs. im Auftrag des veronesischen Herrn Mastino I. della Scala erbaut, ist sie vom Wasser des Sees umgeben, der mit dem inneren Hafenbecken verbunden ist. Die Ecktürme, die doppelte Mauer, die von ghibellinischen Zinnen gekrönt sind, der Bergfried, tragen zum Gesamtbild einer mächtigen Befestigungsanlage bei, die reicht an historischen Erinnerungen ist.
Im Inneren der Mauer, in das man über zwei Zugbrücken gelangt, befindet sich das römische und mittelalterliche Lapidarium, in dem Funde von großem archäologischem Interesse ausgestellt sind.

Die Wehrgänge und Türme sind phantastische Aussichtspunkte, von denen aus der Blick über das Städtchen, die Halbinsel und den See schweift. Der Zugang zum historischen Ortskern von Sirmione erfolgt durch ein Tor, das zur Burg der Scaliger gehört und in das verwirrende, aber beeindruckende Labyrinth der engen mittelalterlichen Gassen führt. Im Erdgeschoss der Gebäude befinden sich Handwerkerbuden, typische Lokale, Souvenirgeschäfte und Restaurants, wo man die Spezialitäten der Gardaseeküche probieren kann.
An den Plätzen befinden sich elegante Palazzi und gut gepflegte Herrenhäuser. In Reihen aufegestellte Tische mit Sonnenschirmen bieten die Gelegenheit, die Besichtigung zu unterbrechen und sich in Bars und Imbissstuben aufzuhalten.


DIE KIRCHE SAN PIETRO IN MAVINO

Im höhergelegenen Ortsteil steht die Kirch San Pietro in Mavino, die an der Grenze zu einem dichten Olivenwald mit schönen Aussichtspunkten liegt. Der erste Bau geht auf das Hochmittelalter zurück und stand an der Stelle eines heidnischen Kultplatzes.
Im 11. Jh. wurde die Kirche mit dem Glockenturm neu errichtet, während weitere Arbeiten im 14. Jh. durchgeführt wurden. So wie sie sich heute darstellt, ist die Kirche ein einfaches und geradliniges Gebäude. Auf dem Kirchvorplatz steht unter Olivenbäumen das moderne Denkmal mit der Glocke der Gefallenen. Das Äußere der Apsis, das ganz vom Campanile beherrscht wird, ist elegant: Die Mittelapsis wird von zwei kleineren Seitenapsiden gerahmt.
Das äußerst konzentrierte Innere ist einschiffig und mit Fresken aus dem 13.-16.Jh. ausgemalt. Bemerkenswert sind auch die Deckengemälde und die an den Wänden der Hauptapsis, über der ein hölzernes Kreuz hängt.


KIRCHE SANTA MARIA MAGGIORE

Die Kirche Santa Maria Maggiore steht in der Nähe der Burg der Scaliger und hat vorn eine kleine Vorhalle mit Säulen. Die erste Säule links ist in Wirklichkeit ein römischer Meilenstein des 4.Jhs. n.Chr., der als Milliarium des Julian Apostata bekannt ist. Das Gebäude aus dem 15.Jh. steht auf einem heidnischen Tempel, das einschiffige Innere ist spätgotisch. Unter den verschiedenen Kunstwerken sind bemerkenswert die hölzerne Kanzel und das Chorgestühl in der Apsis, Werke tüchtiger Schnitzer aus dem 17.Jh. Wichtig auch die hölzerne Madonna aus dem 15.Jh., die Fresken aus dem 15.-16. Jh. und ein Gemälde aus venezianischer Schule mit Christus und den Aposteln.


KIRCHE SANT'ANNA

Die kleine Kirche Sant'Anna, die sich ebenfalls in der Nähe der Burg befindet, ist ein Bau aus dem 17.Jh., der besonders der raffinierten Ausführung seiner Barockdekorationen wegen interessant ist.

Im Einzelnen handelt es sich um die Decke über dem Altar, wo das Linienspiel der Architektur harmonisch mit den hervorragenden Stuckarbeiten, den Malereien und Skulpturen zusammengeht. In der Kirche sind auch Spuren wertvoller Malereien aus dem 16.Jh.


GROTTEN DES CATULL

Der archäologische Komplex der "Grotten" des Catull nimmt den nördlichsten Teil der Halbinsel ein, die sich im blauen Wasser des unteren Gardabeckens erstreckt. Das ganze Gebiet reiht sich in einen landschaftlichen Kontext von seltener Eindruckskraft ein: besonders bei Sonnenuntergang rufen das Licht- und Farbspiel und die starken Töne, die in die antike Ruine eintauchen, die in das Grün der Oliven und Zypressenreihen eingebettet ist, einen malerisch-romantischen Effekt hervor. Die Grotten des Catull zählen zu den größten und repräsentativsten archäologischen Zonen in Norditalien. Die Bezeichnung "Grotten" ist in Wirklichkeit wenig passend, denn das große Gebiet war wahrscheinlich ein grandioser römischer Thermenkomplex aus der Kaiserzeit, zu dem auch wichtige Reste eines Thermengebäudes und einige Buden gehören, die zu der unkorrekten Bezeichnung geführt haben.

Die Datierung des Gebäudes ist unsicher und umstritten: Archäologische Funde, die im ältesten (südlichen) Teil gefunden wurden, deuten auf eine Datierung ins 1.Jh. v.Chr. hin. Die archäologische Zone umfasst ein rechteckiges Areal (167,44 x 105,55 m) mit einem vorderen Teil von 43 x 32,26 m.
Die Villa bedeckt insgesamt eine Fläche von 20.354 qm und erstreckt sich von Norden nach Süden über 240,90 m.

Es scheint sicher, dass das Gebäude in zwei verschiedenen Phasen errichtet wurde; bedeutende archäologische Funde sind in einem Antiquarium gesammelt, das man am Eingang besichtigen kann. Hier sind Statuenfragmente, Mosaikteile, Freskenreste, Lampen, Schmuck und andere Objekte gesammelt. Catull hielt sich lange hier auf und schrieb enthusiastische Verse über die Schönheiten des Ortes. Der große Olivenwald, die Straße der Buden, der große Pfeiler, das dreibogige Paradiesfenster, die Grotte des Pferdes (eine unterirdische gewölbte Höhle), die Aula der Giganten, der doppelte Kryptoportikus, das Bad, das Schwimmbad und die Zisterne - die als Bestandteile einer Thermenanlage gelten - sind eine Art obligatorische Tour durch historische Erinnerungen und literarische und landschaftliche Eindrücke.

Postkarten
V
Sirmione