

MALCESINE
Der
Ort befindet sich an der Grenze zur Provinz Trient in einer Gegend, die als
"Veronesische Oliven-Riviera" bekannt ist, eben wegen der großen
Zahl von Olivenbäumen, die dort wachsen, und besteht aus einem Gemisch
von Bauten aus verschiedenen Zeiten. Auf einer kleinen Landzunge gelegen,
sticht die zinnenbekrönte Burg der Scaliger ins Auge. Der Charakter der
Landschaft wird vor allem durch die Präsenz der Berge bestimmt, die das
Gebiet umgeben, vor allem vom Monte Baldo, der 2218 m hoch ist und der Cima
Valdritta endet; dort ist ein beliebtes Ski- und Ausflugsgebiet. Gegen Süden
ist eine leichte Einbuchtung, der die kleine Isola dell'Olivo gegenüberliegt,
während der See nach Nordin hin eher den Charakter eines in die Berge
eingeschnittenen Fjords hat.
Was die Geschichte des Ortes angeht, so ist die Präsenz der Römer
in Malcesine durch Gräber mit Beigaben nachgewiesen, darunter Münzen
und Gebrauchsgegenstände, die dort gefunden worden sind. Schon zur Langobarden-
und Frankenzeit mit Burganlagen bewehrt, gehörte Malcesine zum Gebiet
des Bischofs von Verona und wurde Besitz der Scaliger. Zur Zeit der veronesischen
Herrschaft wurde die Burg wiederhergestellt, und später wurde die Behörde
der Capitani del Lago ins Leben gerufen, die vom 16. bis zum 18.Jh. die Gerichtsbarkeit
über die Orte am veronesichen Gardaufer ausübte.
Im Jahre 1786 kam J.W. von Goethe auf seiner berühmten Reise durch den
Ort. Von der schönen Landschaft angezogen, wollte er die Silhouette der
Burg zeichnen und wurde fast von einigen Bauern verhaftet, die ihn für
einen Spion hielten.
Die Ortschaft gilt als Perle des Sees, biete gute Unterkunftsmöglichkeiten
und hat hervorragende Hotels von guter Qualität, die viele Gäste
aufnehmen können. Es gibt auch viele typische Lokale, in denen die Spezialitäten
der Küche des Gardagebietes probiert werden können, außerdem
der hervorragende Wein des veronesichen Seeufers. Dank der schönen Lage
zeichnet sich der Ort durch ein mildes und ausgeglichenes Klima aus, das auch
in den kalten Monaten günstig bleibt, und ist somit ein bekannter Urlaubsort
für Aufenthalte zu jeder Jahreszeit.
Wer von Norden kommt, bemerkt sofort einen deutlichen Unterschied in Klima
und Vegetation, die in diesem Gebiet bereits mediterrane Züge haben.
An Naturschönheiten sind einige Wanderwege und die Seilbahn zu nennen,
mit der man zum beeindruckenden Gipfel des Monte Baldo fährt, von wo
aus man eine grooßartige Aussicht genießen kann.
Der Palazzo dei Capitani del Lago in venezianischem Stil zeigt eine elegante
zinnenbekrönte Fassade. Sein jetziger Bauzustand geht auf die 2.Hälfte
des 15. Jhs. zurück, und ab dem darauffolgenden Jahrhundert residierten
dort die verschiedenen Capitani del Lago, die bis zum Fall der venezianischen
Republik aufeinanderfolgten. Im Inneren befindet sich der Sitzungssaal mit
Dekorationen im Stil des Cinquecento.
Die Castello Scaligero ist eine zinnenbekrönte Burg und befindet sich
am äußersten Ende der Landzunge, von wo aus man einen schönen
Blick über den ganzen See und die umliegenden Berge hat.
Im Inneren der Burg ist das historische Museum untergebracht, wo sich achäologische
Zeugnisse aus der Umgebung befinden, die auf die vorrömische, römische
und mittelalterliche Phase zurückgehen.
Bemerkenswert sind die Waffensammlung, die alten Stiche, die Bücher,
die Sammlung an Naturgegenständen und die Zeugnisse aus der Zeit des
Risorgimento. In einem Saal ist außerdem ein Wrack ausgestellt, das
auf dem Grund des Sees geborgen wurde; außerdem ist dort eine Rekonstruktiond
der berühmten Schlacht von Torbole zu sehen, wo die Venezianer die Flotte
der Visconti mit einem genialen Ausweichmanöver überraschten.
Im Hof steht die Büste Johann Wolfgang von Goethes zur Erinnerung an
dessen Aufenthalt in Malcesine im September 1786 und an das, was ihm hier
passierte.
Die Pfarrkirche S. Stefano ist in ihrem derzeitigen Zustand ein Bau des 17.Jhs.,
aber ihre Ursprünge gehen bis auf karolingische Zeit zurück. Das
Innere der Kirche zeigt künstlerisch wertvolle Werke, unter denen besonders
eine Kreuzabnahme von Girolamo dai Libri hervorsticht, die aus der Kirche
S. Maria in Organo in Verona hierher gebracht worden ist.
Auf dem Platz am malerischen Hafen befindet sich die Kirche SS. Nicolò
e Rocco aus der 1.Hälfte des 17.Jhs. Eine weitere interessante Kirche
ist die Chiesa della Madonna, die auch Chiesa della Fontana heißt. Das
Gebäude geht in seiner jetzigen Form auf Restaurierungen und Erweiterungen
des 17.Jhs. zurück, die ausgeführt wurden, um eine immer größere
Zahl von Pilgern und Gläubigen aufzunehmen. Der Name rührt von einer
Quelle her, der Heilkräfte zugeschrieben werden und die sich unter einem
rechteckigen Stein in der Mitte des Fußbodens befindet.
Das gesamte Stadtgebiet ist reich an sehenswerten Stellen; südlich befindet
sich der Stadtteil Cassone mit der Kirche S. Zenone in Monte und den zwei
Kirchen S. Benigno und S. Caro, von denen eine auf das 15. Jh. zurückgeht.
Vor Cassone sieht man die Isola di Trimelone, wo zur Zeit der Völkerwanderung
von Ungarn eine Festung errichtet wurde.
In der 2.Hälfte des 12.Jhs. ließe Friedrich Barbarossa die Burg
bei einem Angriff einäschern, die später von den Veronesern wiedererrichtet
wurde, von denen man dort auch das Wappen sieht. In moderner Zeit wurden die
Reste der alten Burg beseitigt, um eine moderne Festung zu errichten, die
im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde.
Im Ortsteil Navene steht die Kirche S. Maria di Navene aus dem 17.Jh., die
aber bereits in Dokumenten des 11. Jhs. erwähnt wird. In Val Casera befindet
sich die Kirche S. Michele, die mittelalterlichen Ursprungs ist und im 12.Jh.
erstmals erwähnt wird. Unter den vielen Villen aus den ersten Jahrzehnten
des 20.Jhs. sei hingewiesen auf die Villa Gruber, die Villa Labia, die Villa
Molitor, die Villa Noli, die Villa Bianca, die Villa Nichesola, die Villarose,
die Villa Sogno, die Villa delle Rondini, die Villa Irma e Giulia und die
Villa Lombardi hingewiesen.
Von besonderer Bedeutung ist auch der Ausflug mit der Seilbahn auf den Monte
Baldo, die zu einer Berghütte, der Baita dei Forti, führt, die 1745
m hoch an der Bocca Tratto Spin auf dem Bergkamm gelegen ist. Die Aussicht
ist wirklich bemerkenswert, vor allem beim Sonnenauf- und -untergang.
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